05.05.06

Das passiert, wenn versucht wird, als studentische Presse eine Pressekonferenz zu besuchen. Als ich 12:55 Uhr an der Pforte zum Landtag ankam, war der Pförtner schon bereit. Er fragte mich auch sogleich nach einen Presseausweis, den ich bräuchte, wenn ich zur Pressekonferenz von Udo Corts und seiner Landesregierung wollte. Als ob studentische Presse mal eben so Presseausweise hätte. Nein, er wollte mich schon wegschicken. Da ergriff ich nochmals das Wort. Ich fragte, ob er nicht eine Ausnahme machen könne, ich würde zur Sicherheit auch meinen Personalausweis abgeben. Doch er blieb hartnäckig. Mit dem lappidaren Satz, ich könne mich ja an die Pressestelle des HMWKs wenden, wies er mich ab. Enttäuscht ging ich raus. Nach kurzem Überlegen wandte ich mich per Telefon an verschiedene Leute, die mit der genannten Pressestelle Kontakt aufnehmen sollten. Ich selbst war ja außer dem Mobiltelefon ohne jegliche Mittel. Nach einiger Zeit rief mich eine Person zurück und erklärte mir, dass der Pförtner mir Mist erzählt hatte. Er habe sich nach verschiedenen Telefonaten an die Pressestelle des hessischen Landtags (und nicht des HMWKs) wenden müssen. Doch dort ging nur der Anrufbeantworter ran.

Ob studentische Presse mit Absicht abgewiesen wurde, und alle anderen Kanäle "dicht" gemacht wurden, kann ich natürlich nicht mit Sicherheit sagen. Jedenfalls hatte ich stark den Eindruck.

Schließlich, kurz bevor ich abzog, kam das Kamerateam des ZDF heraus und führte ein Interview mit dem Pressesprecher des HMWKs. Als das Interview vorbei war, wurde noch schnell mal eine Szene nachgestellt, in der er flotten und entschiedenen Schrittes in den Landtag einmarschierte.




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Wer also auf das Politische Mandat verzichtet, macht sich zum Sachverwalter der Autorität, akzeptiert das ihm zugewiesene Ghetto und bietet der Gesellschaft die Möglichkeit, die Universität nach Belieben zu manipulieren. Mit dem Lockruf nur und ausschließlich die Interessen der Studenten vertreten zu wollen, ziehen diese trojanischen Pferde als fünfte Kolonne der Obrigkeit in die studentische Selbstverwaltung ein, wo sie mit Bienenfleiß alles verwalten, ohne etwas zu ändern.

(Bonner AStA-Zeitung 66/67)