17.12.06

Letzten Freitag fand eine Veranstaltung der Gewerkschaftslinken und des Rhein-Main-Bündnisses zur Situation bei der Frankfurter Rundschau statt. Dazu deren Presseerklärung:

"Drei Tage nach dem Warnstreik von etwa 150 Beschäftigten der Frankfurter Rundschau fand heute Abend eine Diskussionsveranstaltung im Club Voltaire in Frankfurt am Main statt. Betriebsratsmitglied und ver.di-Vertrauensmann Rainer Maria Kalitzky informierte die mehr als 30 Teilnehmenden über den aktuellen Konflikt der Belegschaft der FR mit deren Eigentümern, dem Verleger Alfred Neven DuMont, Köln, und der sozialdemokratischen Medienholding DDVG.

Nach Berechnungen von Betriebsrat und ver.di-Vertrauensleuten hatte die Belegschaft in den vergangenen fünf Jahren durch Verzichte einen Beitrag zur Sanierung der FR in Höhe von wenigstens 30 Millionen Euro geleistet. Gleichwohl wollen die Eigentümer weitere 200 Beschäftigte vor allem auch durch betriebsbedingte Kündigungen abbauen, nachdem seit 2002 bereits die Belegschaft von etwa 1650 auf ca. 750 Kolleginnen und Kollegen reduziert wurde.

In den anstehenden Verhandlungen fordern Betriebsrat und Vertrauensleute, "alle Möglichkeiten des Personalabbaus auzuschöpfen, ohne das Mittel der betriebsbedingten Kündigung anzuwenden. Fluktuationsanreize, Altersteilzeitverträge usw. sind ein Weg, den Betriebsrat und ver.di-Vertrauenskörper zu gehen bereit sind." Die Unternehmensleitung setzt zur Zeit auf "moderierte" Verhandlungen mit dem Betriebsrat. Große Teile der Belegschaft, zusammen mit der Gewerkschaft ver.di, werfen der Unternehmensleitung vor, einseitig ihren Willen durchsetzen zu wollen; sie verlangen eine tarifvertragliche Regelung, einen sog. Sozialtarifvertrag, dessen Zustandekommen und Inhalt sie mit gewerkschaftlichen Kampfmitteln beeinflussen können.

Joachim John, Mitglied im Bezirksvorstand von ver.di Wiesbaden und des Landesvorstands des ver.di-Fachbereichs 8 (Medien) referierte über die medienpolitischen und medienwirtschaftlichen Folgen der Übernahme der FR durch das Medienunternehmen M. DuMont Schauberg (MDS). Er sprach insbesondere die Konzentration auf dem Markt für Tageszeitungen an, sowie die Zentralisierung der Herstellung in Druckzentren und die Ausweitung regionaler wie überregionaler Anzeigenverbünde. Auf diese Weise seien bereits oligopolistische Strukturen im Zeitungsmarkt entstanden, die auch negative Auswirkungen auf die Qualität der Berichterstattung hätten.

Nach den einleitenden Referaten diskutierten die Teilnehmenden, unter denen sich auch Beschäftigte der FR befanden, sowohl über den aktuellen Konflikt bei der FR als auch grundsätzlich über die Entwicklung bei den Print-Medien in den vergangenen Jahren. Einige Diskutanten konstatierten ein Nachlassen der journalistischen Qualität der FR seit der Umgestaltung (Relaunch) im Jahr 2004. Sie fürchten eine weitere inhaltliche Verflachung, sollte es zur Umstellung der FR auf das wesentlich kleinere Tabloid-Format kommen.

Im dritten und letzten Teil der Veranstaltung wurden Möglichkeiten und Wege der praktischen Solidarität mit den Beschäftigten bei der FR diskutiert. Darüber hinaus wurde über die Verknüpfung dieser Auseinandersetzung mit anderen gewerkschaftlichen Kämpfen, z. B. beim frankfurter Großversender Neckermann, beraten.

Der Veranstalter, die Gewerkschaftslinke Rhein-Main - Unterstützerkreis für die Kolleginnen und Kollegen bei der FR - sieht sich durch den Verlauf des Diskussionsabends ermutigt. Das nächste Treffen des Unterstützerkreises findet am Montag, den 8. Januar 2007, um 18:00 Uhr, im Info-Laden in der Hamburger Allee 35, Frankfurt am Main, statt."

Soweit die Pressererklärung.

Es fand aber auch eine massive Kritik seitens der Besucher an Ver.di statt. Es finden momentan fünf Arbeitskämpfe im Rhein-Main-Gebiet statt (außer FR noch Neckermann, Allianz, Dresdner und Asklepios-Kliniken in Langen). Aber es gibt keine Koordinierung seiten Ver.dis. Jede Gruppe kämpft für sich alleine. Darum wollen sich die Aktiven der Kämpfe im Januar treffen und ein gemeinsames Vorgehen beraten. Vermutet wird, dass bestimmte Hauptamtliche aufgrund ihres Parteibuches nicht eingreifen und sogar aktiven Gewerkschaftern den Informationszugang erschweren. Ver.di Hessen gilt auch bei anderen Gewerkschaften als ziemlich lahmer laden.




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Ich würde, auf die Gefahr hin, daß sie mich einen Philosophen schelten, der ich nun einmal bin, sagen, daß die Gestalt, in der Mündigkeit sich heute konkretisiert, die ja gar nicht ohne weiteres vorausgesetzt werden kann, weil sie an allen, aber wirklich an allen Stellen unseres Lebens überhaupt erst herzustellen wäre, daß also die einzige wirkliche Konkretisierung der Mündigkeit darin besteht, daß die paar Menschen, die dazu gesonnen sind, mit aller Energie darauf hinwirken, daß die Erziehung eine Erziehung zum Widerspruch und zum Widerstand ist.

(Adorno, T. W. - Erziehung zur Mündigkeit)