12.02.07
Erfolgreiche Aktion in der Karlsruher Innenstadt
Über 100 Studenten haben in der Karlsruher Fußgängerzone am Samstag als wandelnde Litfasssäulen gegen die Studiengebühren protestiert. Mit Handzetteln und Plakaten bestückt reihten sich die Studenten der boykottierenden Hochschulen entlang der Kaiserstrasse. "Information und Aufklärung standen im Vordergrund", so Julius Schall, AStA-Mitglied der HfG Karlsruhe. Die Bevölkerung zeigte sich interessiert und gesprächsbereit.
"Wir, die Exportweltmeister, sollen kein Geld für Bildung haben? Wir sägen am Ast auf dem wir sitzen!", so ein Karlsruher Bürger. Es zeigte sich, dass das Thema im öffentlichen Diskurs nicht präsent ist und ein immenser Informationsbedarf bei den Bürger besteht. Neben weiteren Aktionen soll es am nächsten Samstag wieder eine "Wand wandelnden Litfasssäulen" in der Karlsruher Innenstadt geben.
Leitung der Uni Freiburg versucht Boykott zu verhindern
Auf Geheiß des Rektors Dr. Wolfgang Jäger behindern Hausmeister und Reinigungskräfte die Kommunikation der Studentenvertreter mit den Studenten. Anscheinend glaubt die Verwaltung so, ein erreichen des Quorums verhindern zu können. "Täglich hängen wir Informationsplakate auf, die von den Hausmeistern wieder entfernt werden, selbst wenn wir sie mit Kleister anbringen", berichtet UStA-Vorstand Herrmann Schmeh von der Uni Freiburg. Auch Putzkräfte werden vom Rektorat verpflichtet, Fahnen und Transparente an Gebäudefassaden zu entfernen.
"Das Rektorat hindert gewählte Studentenvertreter systematisch unsere Arbeit als gewählte Studentenvertreter!" so Schmeh weiter. Die Weigerung des Rektorats, mit den Studenten in einen Dialog zu treten, lässt Schmeh bei dem Gedanken an die Verhandlungen über die Verteilung der Mittel aus den Studiengebühren die Haare zu Berge stehen.
Gebühren führen die Idee der platonischen Akademie ad absurdum
Bei der Debatte über die allgemeine Studiengebühr handelt es sich um ein Problem, dass die abendländische Bildung seit Anbeginn begleitet. Platon ist als frühester Gegner der Studiengebühr bekannt, er kritisierte die käuflichen Weisheiten der Sophisten, denen finanzieller Gewinn über die Pflege der Wissenschaft ging. Die Auswüchse sophistischer Lehrerschaft im antiken Griechenland sind heute noch sprichwörtlich.
Der Philosoph Peter Sloterdijk, Rektor der HfG Karlsruhe berief sich zur letzten Semestereröffnung auf das Konzept der Platonischen Akademie. Die Studenten der HfG stehen in dieser Tradition, wenn sie sich nun gegen das Bezahlstudium zur Wehr setzen, dass die schwarz-gelbe Landesregierung mit ihrem Ministerpräsidenten Oettinger und Peter Frankenberg, Minister für Wissenschaft und Kultur, einführen will.





