11.04.07

Zuerst macht man eine Umfrage, die bestätigt, daß die Mehrheit der Studierenden gegen Studiengebühren sind. Nachdem man so Sympathien geweckt hat lädt man zum Bashing auf die Professoren ein und macht die Studierenden so zu Mittätern an den "Alternativlosen Reformen". Schon hat man seine eigenen Ziele erreicht und die Bildungsfernen Schichten schauen in die Röhre.

Was man vorneweg wissen muss: Hinter der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) steckt der Arbeitgeberverband der Metall- und Elektroindustrie. Dieser finaziert sie mit jährlich 8,8 Millionen Euro. Für dieses Geld will man auch was bekommen. Die Positionen des Verbandes heißen Studiengebühren und Hochschulen zu Unternehmen.

INSM hat nun eine Umfrage gemacht um festzustellen, wie Studierenden zu den Studiengebühren stehen. Und oh Wunder: zweidrittel lehnen sie ab. Das weckt erstmal Sympathien.

Nun folgt der Trick: INSM will unternehmerische Hochschulen inklusive Eliten. Um dies zu ermöglichen verlangen sie zum einen Rankings um durch Konkurenzdruck die Hochschulen auseinander zu diffidieren. So schaffen sie die Elitehochschulen. Wer sich in anderen Ländern umschaut weiß wer auf diese geht: Die Kinder der Reichen. Entsprechend stellen sie als nächstes Fragen was die Studierenden den gerne geändert hätten. Das Ergebnis ist vorhersehbar: Tutoren, Übungsangebote, mehr Lehrangebote, bessere Qualität der Vorlesungen. Alles Dinge, die eigentlich eine Selbstverständlichkeit sind und keine Verbesserung der Lehre darstellen. Seit den '70ern sind die Hochschulen aber unterfinanziert, weil die Mittel eingefroren wurden. Etwa ein Viertel der Studierenden in Deutschland sind nicht gegenfinanziert. Diese Unterfinanzierung sollen die Studierenden durch Gebühren decken. Damit ist die Hochschule faktisch teilprivatisiert. Andere Antworten als in diese Richtung deutende gibt es in der Unfrage nicht. INSM wird auch keine anderen hören wollen. Schließlich weiß sie bereits selber wie die neue Hochschule aussehen soll: Wie ihre eigenen Betriebe. Schaut euch also schonmal an eurem Arbeitsplatz um und welche Rechte ihr dort habt. Vor allem wenn ihr anderer Meinung als euer Chef seit.

Zum anderen bemängelt INSM die mangelnde Mitsprache der Sudierenden bei der Mittelverteilung. Demokratisch gedacht müsste man jetzt entsprechende Gremien fordern, in denen die Studierenden zum Beispiel ein Vetorecht bei der Verteilung haben. INSM will aber unternehmerische und unbürokratische Hochschulen. In der Praxis heißt das: Machtkonzentration auf den Präsidenten. Das ganze läuft unter dem Stichwort Autonomie. Für direkte und demokratische Mitbestimmung von Studierenden ist in dieser Welt kein Platz. Also bietet man die "nötige Transparenz" selber an: www.unicheck.de . Schließlich ist man ja jetzt Verbraucher und kann sich so im Vorfeld über die Hochschule informieren. Was man bei dieser Weltsicht ignoriert: Man ist auch das Produkt. Wer an eine Hochschule neuen Typs geht gibt die Selbstbestimmung über das eigene Leben auf und vertraut sie dem Präsident oder der Präsidentin an. Deren Fehler landen dann direkt in den Köpfen der Studierenden.

Durch das Ranking schafft man den von der INSM gewollten Konkurrenzdruck. An der Unterfinazierung der Hochschulen ändert das aber nichts. Stattdessen werden die Hochschulen genötigt mehr Geld aufzutreiben. Entweder man wirft sich den Unternehmern in den Rachen, die direkte Mitsprache für ihr Geld haben wollen (und im Gegensatz zu den Studierenden auch bekommen). Oder man fordert die Erhöhung der Studiengebühren, was man auch gerne sieht.





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(Gaius Cornelius Tacitus (um 55 - nach 115), römischer Historiker und Politiker)