06.05.07

Ob sie das Logo und die Farbe vom "Stand up" Kongress nochmal loswerden? Aktuell sieht der offiziell logolose Verband eher wie ein radiakler feministischer Verband aus.

49 Deligierte aus 32 Hochschulgruppen wollen den Campus zum Tanzen bringen.

37 Jahre nach der Auflösung des SDS in Frankfurt tauchte dort gestern wieder ein Namensvetter links von der SPD auf. Man ist bereit in große Fußstapfen zu treten.

Leicht haben es sich die Deligierten des neuen Hochschulverbandes nicht gemacht. Insgesamt neun Stunden lang wurde die Problematik des Verbandsnamens in der alten Mensa am Campus Bockenheim aus allen Blickwinkeln im Plenum, in Kleingruppen und zwischen den Sprechern der Kleingruppen diskutiert:

  • Den Mythos von Rudi Dutschkes SDS (Sozialistischer Deutscher Studentenbund) ausnutzen oder nicht die Abkürzung eines Parteiabtrünnigen Verbandes nutzen, der in Ostdeutschland keine Tradition hat? Und schon wieder Diskussionen über Fehler, die andere begangen haben?
  • Offensiv den Parteinahmen hineinnehmen um Anspruch über die Hochschule hinaus zu demonstrieren oder lieber nicht riskieren parteiunabhängige Hochschulgruppen zu verprellen?
  • Oder einen neutralen Namen, um allen möglichen Angriffen aus dem Weg zu gehen und etwas völlig neues zu demonstrieren? 

Am Schluß blieben zwei Namen über: DIE LINKE.SDS (Sozialistisch-Demokratischer Studierendenverband) und SDH Rosa Luxenburg (Sozialistisch Demokratischer Hochschulverband). Fast zweidrittel der Deligierten entschieden sich für den neuen Namen.

Man beeilte sich danach schnell Gräben wieder zuzuschütten und schlug vor, doch je nach Wunsch den vorderen oder den hinteren Teil zu betonen. Die neue Satzung läßt aber noch eine weitere Hintertür offen: einen zweiten Namen für die Hochschulgruppe vor Ort. Es wird also weiter bunt zugehen auf den Treffen. Allerdings muss sich jede Gruppe nach den Rahmenvorgaben des Verbandes richten. Schließlich will man gemeinsam und nicht gegeneinander kämpfen.

Der SPD dürfte der Tag gleich mehrfach weh getan haben:
An den Hochschulen taucht ein Gespenst auf, dass man längst vergessen glaubte. Und immernoch links von der SPD. Gewerkschaftsfunktionäre hielten Grußworte, saßen auf dem Podium oder im Tagungspräsidium. Kein Wunder das diese im Programm neben anderen linken Hochschulgruppen als Partner an den Hochschulen genannt werden.

Als roter Faden zieht sich die Forderung nach einer demokratischen Hochschule und Gesellschaft durch das Programm. Echte Überraschungen bot es aber nicht. Man geißelt den real exisitierenden Kapitalismus und fordert den Sozialismus - was auch immer das im Detail bedeutet. Für den RCDS mag es radikal und von vorgestern erscheinen, gemessen am Original SDS aber eher zahm. Aber wer 200 Jahre alte Rezepte aufwärmt muss mit 150 Jahre altem Widerstand rechnen.

Nun muss der Verband mit Leben gefüllt werden und heute noch ein Vorstand besetzt werden. Vor allem aber darf ihm nicht passieren, was seinem Namensvetter passierte: Im Richtungsstreit gelähmt zu werden und schließlich zu zerfallen. Der neue SDS muß in einer anderen Zeit neue Antworten auf alte Fragen finden. Er hat sich auferlegt dort zu bestehen wo der alte Verband und mit ihm eine ganze Generation scheiterte. Nicht wenig, aber wie sagte Che: "Seien wir realistisch - fordern wir das Unmögliche".





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Ich würde, auf die Gefahr hin, daß sie mich einen Philosophen schelten, der ich nun einmal bin, sagen, daß die Gestalt, in der Mündigkeit sich heute konkretisiert, die ja gar nicht ohne weiteres vorausgesetzt werden kann, weil sie an allen, aber wirklich an allen Stellen unseres Lebens überhaupt erst herzustellen wäre, daß also die einzige wirkliche Konkretisierung der Mündigkeit darin besteht, daß die paar Menschen, die dazu gesonnen sind, mit aller Energie darauf hinwirken, daß die Erziehung eine Erziehung zum Widerspruch und zum Widerstand ist.

(Adorno, T. W. - Erziehung zur Mündigkeit)