2. Partizipative Organisation

"Ich bin nicht Ihrer Meinung mein Herr,
aber bereit dafür zu sterben, dass sie geäußert werden darf."

François Marie Arouet genannt Voltaire

Während sich einige Studierendenvertretungen als rein parlamentarische Interessens­ver­tre­tung verstehen, agieren andere im expliziten Selbstverständnis, „emanzipatorisch“, „anti­auto­ritär“ und „basisdemokratisch“ zu sein.

Beiden ‚Konzepten’ ist jedoch viel zu oft gemein, dass etablierte (Führungs-)Strukturen in­trans­­parent und zentralistisch arbeiten, mensch sich zunehmend von den Bedürfnissen und In­teres­­sen der Studierenden entfernt – und es zu immer größer werdenden Kommunikations- und Vermittlungsproblemen zwischen RepräsentantInnen und Repräsentierten kommt.

Für zukünftige Studierendenproteste erscheint es uns daher wichtig, eine Protestbewegung auf die Beine zu stellen, die von vornherein ihr Selbstverständnis auf seine faktische Wirkungs­macht hin hinterfragt. Unserer Meinung nach gilt es daher primär, die etablierten und ge­wohnten Strukturen auf ihre tatsächliche Fähigkeit, Beteiligung zu ermöglichen und fördern, hin zu untersuchen. Dies soll im folgenden Kapitel geschehen.

Generell: Ein Grundsatz, um Beteiligung und Gleichberechtigung zu befördern, ist hierbei die de­­zen­trale Kooperation gleichberechtigter Menschen in kleinen Gruppen innerhalb der Proteste und Strukturen. Hierbei behalten die Gruppen und Organisationen jeweils stets volle Hand­lungs­­autonomie. Weder können sie gezwungen werden, irgendwo mitzumachen, noch besteht in diesen Netzwerken und Bündnissen Konsenszwang. So können verschiedene Positionen neben­einander bestehen bleiben ohne die gemeinsame Arbeit zu verunmöglichen. Die Idee des Kon­sens hingegen führt dazu, dass Inhalte entleert werden, bis sich alle auf den kleinsten an­geb­­lichen Nenner geeinigt haben. Alle diejenigen, die einem per Mehrheitsentscheidung her­bei­ge­­führten Konsens nicht zustimmen können oder wollen, machen so von vornherein nicht mehr mit – so dass der Protest bereits zu zerfasern und sterben beginnt, noch bevor er eigent­lich angefangen hat.

Um dies zu ändern respektive zu verhindern, schlagen wir vor, von vornherein eine Atmo­sphäre zu schaffen, in der Individuen sich trauen, auch ‚abweichende’ Meinungen zu äußern, skurrile Vorschläge zu machen oder Fragen zu stellen ohne gleich aggressive Reaktionen be­fürchten zu müssen.

Nur so ermöglichen wir unserer Meinung nach eine spürbare Vielfalt an Kreativität und eine Ver­mehrung der Handlungsmöglichkeiten aller an den Protesten oder politischen Aus­einander­setzungen beteiligten Gruppen und Individuen. Darüber hinaus werden wir so möglicherweise unseren eigenen Ansprüchen von Partizipation, Toleranz etc. eher gerecht.

Wir möchten daher vorschlagen, zukünftige Proteste etc. unter Beachtung folgender Erfah­rungs­werte und Alternativvorschläge zu konzipieren und realisieren.

Den­­jenigen unter Euch, die ‚konkretere’ Ideen und Konzepte zur Realisierung ‚anderer’ Gruppen- und Entscheidungsfindungsprozesse suchen, sei die offene Plattform unter www.hierarchnie.de.vu wärmstens ans Herz gelegt. Hier gibt es viele verschiedene Me­tho­den und mehr.


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Wer sich über Kritik ärgert, gibt zu, dass sie verdient war.

(Gaius Cornelius Tacitus (um 55 - nach 115), römischer Historiker und Politiker)