Umschlagsinnenseite

Aus gesellschafts-, sozial- und bildungspolitischen Gründen

Studieren geht über Protestieren: Die Demonstrationen gegen Studiengebühren haben in den letzten Jahren starken Zulauf erhalten. Doch gerade dort fällt auf, dass oftmals die Argumentation gegen Studiengebühren stark verkürzt wird. Diese dreht sich dann maßgeblich um den eigenen Finanzrahmen. Das Betteln um 500 Euro oder die Forderung nach „reichen Eltern für Alle” zeigen die Kernprobleme von Studiengebühren nicht auf. Sie halten keiner Kritik der „anderen Seite” stand. So stellte ein Präsident der Hochschulrektorenkonferenz fest, dass Studierende mehr Geld für ihre Wohnung als für ihr Studium ausgäben und Studiengebühren (in geringer Höhe) damit unerheblich seien.

Schlagkräftige Argumente müssen darüber hinaus gehen. Studiengebühren sind genauso wenig das Problem der Studierenden wie Erwerbslosigkeit jenes von Erwerbslosen. Es betrifft die gesamte Gesellschaft. „Studiengebühren sind aus gesellschafts-, sozial- und bildungspolitischen Gründen abzulehnen. Sie lösen kein einziges Problem, sondern verschärfen die Krise des Bildungssystems.” („Krefelder Aufruf“) Daher werden auch grundsätzlich Langzeit-, Zweitstudien-, Rückmelde- und andere Gebühren ausgeschlossen. „Sozialverträgliche Studiengebühren kann es nicht geben.”

Der Kampf gegen Studiengebühren darf kein Kampf für eine ohnehin privilegierte Elite sein. Die Sozialerhebung des Studentenwerks zeigt: Dass ein Kind aus hoher sozialer Schicht ein Studium aufnimmt, ist achtmal so wahrscheinlich wie bei einem Kind aus niedriger Schicht. Studiengebühren tragen dazu aktiv bei. Die Menschen, die am meisten unter ihnen leiden, sind diejenigen, die sich gegen ein Studium entschieden haben. Vielmehr muss für eine Gesellschaft gekämpft werden, in der alle Menschen ein gleiches Anrecht auf Bildung und persönliche Entfaltung haben. „Studiengebühren fördern [dagegen] ein antisoziales und entsolidarisierendes persönliches Bildungsverhalten und verstärken die gesellschaftliche Verantwortungslosigkeit des Wissenschaftssystems.” (Krefelder Aufruf)

Daniel Bruns, Bundesausschuss der Studentinnen und Studenten (BASS) in der GEW


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Spargel und Menschen haben ein gemeinsames Schicksal: Sobald einer den Kopf hochreckt, wird er abgestochen.

(Eugen Gerstenmaier)