Der Weg ist das Ziel. Das Summercamp of resistance

Was am 18.06.05 auf dem 3. bundesweiten Vernetzungstreffen von den Studierenden initiiert wurde, fand vom 21.08. - 28.08.05 in Berlin statt: Das SummerCamp of Resistance.

Auf dem Plakat vor gelbem Hintergrund rote Palmen und ein schwarzer Stern, darunter der Aufruf zu einem selbstverwalteten Protestcamp. Die Idee war, einen Freiraum in Form eines selbstorganisierten Camps zu schaffen - zur gemeinsamen Reflektion vergangener Proteste und Erarbeitung zukünftiger Protestformen und Strategien. Gleichzeitig ging uns inhaltlich um die Erweiterung und Vertiefung studentischer Proteste um eine Vielzahl sozialund gesellschaftskritischer Themen, ohne die ernsthafte Bildungssystemkritik nicht anwendbar wird.

Aufbruch

Ein wichtiger Bestandteil der kritischen Auseinandersetzung mit unserer Gesellschaft ist die kritische Betrachtung eigener Strukturen und Zusammenhänge. Um eine gemeinsame Vision einer gesellschaftlichen Veränderung zu entwickeln und umzusetzen, haben wir den Versuch unternommen, einen Freiraum zu schaffen, in dem Menschen möglichst hierarchiefrei für eine Woche zusammenleben und sich aktiv einbringen können. Der Gedanke war, dass sich die Organisation des Zusammenlebens selbst, sowie die inhaltliche und aktionistische Arbeit durch das selbstständige Einbringen jedeR TeilnehmerIn entwikkelt.

Das Potential kollektiver Selbstorganisation

Auf einer ganz pragmatischen Ebene sahen wir uns während des Camps mit den Möglichkeiten, aber auch den Schwierigkeiten der gleichberechtigten Selbstverwaltung täglicher Belange konfrontiert. Wir stellten fest, dass Selbstorganisation ein gemeinsamer Prozess ist, an dem von Beginn an alle beteiligt sind. Wir erwarteten keine Ergebnisse - den Masterplan des Widerstands - sondern Erfahrungen auf dem Weg zu Widerstands- und Selbstorganisation. Eigen- und gemeinschaftsverantwortliches Denken und Handeln sollte erlernt und praktiziert werden. Der Weg ist das Ziel!

Von Antifa über Mittenwald bis "Hier Geblieben"

Das Camp wollte sich nicht auf Bildungspolitik beschränken, sondern dazu beitragen, den gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang der Umstrukturierung des Bildungswesens nach kapitalistischer Verwertungslogik aufzuzeigen. In der Tat entwickelte sich ein breit gefächertes Themenspektrum: Den Auftakt bildete am Montag eine Info-Veranstaltung der Roten Hilfe e.V. zum Umgang mit staatlicher und polizeilicher Repression - in weiser Voraussicht möchte mensch rückblickend sagen. Es folgten Veranstaltungen über die deutsch-nationalistische Wehrmachts-Traditionspflege in Mittenwald, die Rolle des fzs während der Proteste in den Sommermonaten, ein Seminar über Biosubversion und ein Vortrag zu Antifa-Arbeit an Hochschulen. Wir sahen Filme von Kanak Attak, Filme über studentische Proteste in den vergangenen Semestern und die Premiere eines Filmes des Aktionsbündnisses "Hier Geblieben", einer Kampagne ,die sich gegen Abschiebung junger MigrantInnen einsetzt.

Eines der zentralen Ziele des Camps war die Stärkung bundesweiter Vernetzungsstrukturen. Es fanden regionale Treffen hochschulpolitischer AktivistInnen aus dem Norden, dem Westen und Osten statt, die sich dann wiederum bundesweit miteinander verbanden. Die dezentralen Netzwerke tauschten sich über ihre gemeinsame Struktur aus, die auf einem gleichberechtigten Miteinander der beteiligten Gruppen und Einzelpersonen ohne StellvertreterInnen beruht. Strategien für eine intensivierte Zusammenarbeit auf Bundesebene wurden entwickelt. Hilfreich werden hier wohl besonders die neu geknüpften persönlichen Kontakte sein - wir hatten durchaus unseren Spaß auf und seit dem Camp...!

Leider prägte noch etwas völlig anderes den Charakter des Camps von außen und behinderte unser Arbeiten: was als rund um die Uhr Zivilpolizei-Betreuung mit Taschenkontrollen bereits in den ersten Tagen begann, fand seinen Höhepunkt Freitag Morgen mit dem Eindringen einer Hundertschaft der Polizei auf dem Camp.

Was bleibt, sind erste Schritte

Abschließend bleibt zu sagen, dass das Camp eine sehr lehrreiche, und auch aufbauende Erfahrung in Sachen Selbstorganisation war und uns wohl alle weitergebracht hat für zukünftiges politisches Arbeiten. Vor allem aber wurden persönliche Kontakte geknüpft und bundesweite Vernetzung vorangetrieben. Um diese zu intensivieren und auszubauen und weitere Erfahrungen zu sammeln, wie selbstverwalteter Widerstand aussehen kann, zeichnet sich schon jetzt ab, dass diesem ersten Versuch weitere folgen werden - wir haben gerade erst angefangen! Bildet Euch, Bildet Andere, Bildet Banden!

Tobias Becker aus Berlin
Maike Groen aus Göttingen
Fredrik Dehnerdt aus Hamburg
Steffi Müller aus Berlin


Dies ist die bundesweite Seite der Internetplattform von Uebergebuehr. Uebergebuehr beleuchtet Bildungspolitik kritisch und arbeitet außerparlamentarisch auf ein freies, demokratisches und emanzipatorisches Bildungswesen hin.

Freiheit setzt voraus, daß man auch über die materiellen Bedingungen der Persönlichkeitsentfaltung verfügt.

(Maunz/Zippelius)