Der Widerstand zum Protest

Die letzten "Streiks" vor nunmehr 2 Jahren hatten ein Feuerwerk an kreativen Aktionen hervorgebracht. Ein halbes Jahr lang war es beispielsweise in Göttingen nicht möglich durch die Innenstadt zu gehen, ohne in eine ausgelagerte Vorlesung, eine Prozeszion, eine Demo oder über herumliegende Bildungsleichen zu stolpern. Die Bildung ging baden, wurde erhängt und zu Grabe getragen. Es hatte sich gezeigt, dasz erstaunlich viele Studierende auszergewöhnlich viel Zeit und Engagement in den Protest gesteckt haben. Das war ziemlich beeindruckend und hat auch Spass gemacht.

Aber warum hat das die Kürzungen nicht aufgehalten?

Ich glaube, viele haben damals einen entscheidenden Fehler gemacht: Wir haben geglaubt, dass es irgend jemanden von Relevanz intereszieren würde, wenn wir nur laut und kreativ genug unsere Unzufriedenheit zur Schau stellen, wir die kraszen Folgen dieser Politik aufzeigen und zu auf der Strasse oder in den Medien stehen.

Das tat es nicht. Diese Einsicht hat viele resignieren lassen - und das ist bitter. Wir müssen die Möglichkeiten zwischen Anpassung oder RAF deutlich machen
Unser Ziel 'Mobilisierung und Aufbau einer Protestbewegung' umfasst verschiede Bereiche:

  • Zum Einen - Aufbau und Entwicklung von Alternativen Forderungen sind wichtig - schliesslich sollten alle wiszen was sie selbst wollen. Aber wenn es nach der sich metastasenartig verbreitenden T.I.N.A. (‚There is no alternative', Margret Thatcher, 1980) keine Alternativen zu geben scheint, muss das Gegenteil eben vorgelebt und ausprobiert werden. In Bezug auf freie Bildung gab und gibt es ein paar Ansätze, die ausgebaut werden könnten: z.B. OUBS (siehe Artikel zur OUBs, 48h-Uni u. Volxuni - um nur drei zu nennen.
  • Zum Anderen - Widerstand
    Aber wie und wogegen? Es gibt keine klare Verantwortlichkeit - nur viele unterschiedliche Akteure. Die müszen benannt und gebannt werden. Sie sind nicht zu überzeugen, das zeigt die Vergangenheit und wird eine Analyse ihrer Intereszen auch zeigen. Daher müszen ihre konkreten Intereszen durchkreuzt und sie an ihrer Arbeit gehindert werden.

Der Widerstand zum Protest

Wir leben in einer kapitalistischen Lobby-'Demokratie'. Das heiszt - um hier etwas zu verändern, ist z.B. Geld notwendig.. Zum Geld bleibt zu sagen - is' knapp. Zumindest dort, wo so gerne weggekürzt wird. Wenn z.B erst:

  • die Erhebung von (Studien-)Gebühren mehr kostet, als diese einbringen,
  • wenn der Stillstand der Bildung sich im Güterverkehr widerspiegelt,
  • oder in zusammengebrochenen Telefonleitungen der Verwaltungsstellen,
  • wenn die Bearbeitung von Briefen und Anträgen die Einstellung zusätzlichen Personals erfordert,
  • wenn die Gebühr in 2-3€ Raten fristgerecht bezahlt,
  • oder der versehentlich zuviel gezahlte Euro zurückgefordert wird.
  • wenn Betroffene anfangen, sich selbst neue Möglichkeiten auszudenken,

dann haben wir zwar noch keine freie Bildung und noch lange keine freie Gesellschaft. Aber vielleicht haben nach Erreichen mancher Zwischenziele mehr Menschen genug Luft, um selbst über ihre Lebensgestaltung zu bestimmen. Wer mehr lesen möchte und weiter Anregungen braucht, denen empfehle ich das 'Handbuch der Kommunikationsguerilla' oder die Suchmaschinen-Stichworte 'Direct Action' und 'Projektwerkstatt Saasen'. http://www.projektwerkstatt.de

Raffael Maria Raschkowski, Göttingen


Dies ist die bundesweite Seite der Internetplattform von Uebergebuehr. Uebergebuehr beleuchtet Bildungspolitik kritisch und arbeitet außerparlamentarisch auf ein freies, demokratisches und emanzipatorisches Bildungswesen hin.

Die Tragik des modernen Menschen ist nicht, dass er immer weniger über den Sinn des eigenen Lebens weiß, sondern dass ihn das immer weniger stört.

(Václav Havel)