Editorial

Ya Basta - jetzt reicht's! Wer kann Studiengebühren verhindern, wenn nicht wir?

Ya Basta - wir werden es nicht hinnehmen, dass die Hochschulen zu Dienstleistungsunternehmen gemacht werden!

Ya Basta - wir habe es satt, dass freie Bildung und kritische Wissenschaft weiterhin Utopien bleiben!

In vielen Bundesländern werden in der nächsten Zeit Studiengebühren eingeführt. Das bedeutet, dass die meisten von uns sich verschulden müssten, um sich das Studium finanzieren zu können - oder es gar nicht erst beginnen.
An vielen Hochschulen werden die Studiengänge auf Bachelor und Master umgestellt. Das bedeutet, dass die meisten von uns in diesem verschulten Studiengang weder Zeit zum Arbeiten noch für hochschulpolitisches Engagement hätten.
Viele Studiengänge werden vom Arbeitsmarkt nicht nachgefragt und besitzen keine Lobby. Das bedeutet, dass weiterhin Studiengänge und Fachbereiche geschlossen werden, um das Geld auf die gewinnbringenderen Einrichtungen umzuverteilen. Die Bildungsinstitutionen und das Verständnis von Bildung befinden sich im Wandel.

Diese und weitere brisante Entwicklungen in der Bildungspolitik waren der Grund für einen Zusammenschluss von Menschen, die sich unabhängig von Parteien und hochschulpolitischen Gremien vernetzen wollen. Die aktuellen Angriffe auf das Bildungswesen erfordern eine überregionale Vernetzung mit dem Ziel, sich gemeinsam gegen diese Entwicklungen zur Wehr zu setzen.

Dieser offene Zusammenschluss verfolgt das Ziel, (1) hochschulübergreifenden, länderübergreifenden gemeinsamen Protest zu organisieren, (2) gemeinsame inhaltliche Positionen zu finden und (3) dem studentischen Widerstand über das politische ‚Tagesgeschäft' hinaus eine gewisse Kontinuität zu sichern, indem verstärkt mit anderen gesellschaftlichen Gruppen zusammengearbeitet wird.

Unser Zusammenschluss sucht den Informationsaustausch zwischen den Hochschulaktiven zu verbessern sowie gemeinsame Aktionen vorzubereiten und durchzuführen. Die Projekte werden je nach Ermessen einzelner Hochschulen und weiterer unterstützenden Einrichtungen finanziert.

Eine gemeinsame Arbeit hin zu diesen Zielen ist wünschenswert, wird aber durch keinerlei Beschluss erzwungen. Die teilnehmenden Personen handeln autonom, die Plena sind selbstorganisiert. Dieses selbstbestimmte Miteinander erfordert nur einige Grundsätze, - Sexismus, Rassismus und Faschismus werden in dieser Vernetzungsstruktur nicht geduldet.

Die vorliegende Broschüre will über die aktuellen Umstrukturierungen an den Universitäten aufklären, den Hintergrund der hochschulpolitischen Debatten beleuchten, einen Rückblick über das abgelaufen Sommersemester bieten, sowie - nicht zuletzt - den Lesenden Anstoß sein, die massiven Veränderungen an den Hochschulen nicht länger einfach hinzunehmen. Sie ist in drei Blöcke unterteilt:

I. Auf dem Weg zu neuen Hochschule.

Studiengebühren sind nur die Spitze des Eisberges der aktuellen Umstrukturierungen; weitere Maßnahmen wie ein neu geregelter Hochschulzugang, die Einführung eines neuen Studiensystems: des Bachelor oder die Einführung von Chipkarten verstärken sich gegenseitig in ihrer Wirkung: eine Ausbildungsstätte zu schaffen, die fern aller freien Bildung und kritischen Wissenschaft ist. Doch was ist - Bildung?

II. Bildung und Gesellschaft

Was eint uns in unserer Kritik? - es ist ein positiver Bildungsbegriff, den wir nicht verwirklicht sehen und von den sich die Bildungsinstitutionen mehr und mehr verabschieden.
Wir versuchen, einen Bildungsbegriff und somit eine Utopie hinter unserer Kritik zu beschreiben mit dem Ziel, den revolutionären Charakter von Bildung wieder deutlich zu machen. - Ein ‚Drahtzieher hinter den Kulissen der Umstrukturierungen ist der Bertelsmann-Konzern, an dem beispielhaft die Verbindungen zwischen wirtschaftlichen Interessen und Handeln der verantwortlichen BildungspolitikerInnen aufgezeigt werden kann. International sind Bildungsgebühren per Sozialpakt der UN verboten. Missachtet Deutschland international geltendes Recht? - Eines zeigte das Sommersemester: Der Staat schreckt vor Rechtsbruch nicht zurück, zieht die haltlose Kriminalisierung friedlich protestierender Studierender - bis hin zu Berufsverboten - einer Diskussion über die Ursachen der Proteste vor. Abschließend blicken wir auf eine mögliche neue Elite an den Hochschulen.

III. Rückblick - Ausblick. Ein Winter des Widerstandes?

Ein Sommersemester des bundesweiten Protestes, ein Summer of Resistance, liegt hinter uns. Wir haben Freiräume geschaffen und wieder verloren, wir haben uns selbst organisiert wie auf dem SummerCamp of Resistance, wir haben Fortschritte in der bundesweiten basisdemokratischen Vernetzung erzielt. Diese Vernetzung müssen und werden wir vorantreiben mit dem Ziel, im Winter geschlossen und schlagkräftig gegen die drohende Einführung von Studiengebühren vorzugehen. Don't mourn - Organize!

Wir brauchen ein kämpferisches Wintersemester, um unseren Forderungen Ausdruck zu verleihen. Ya Basta, - es reicht! Freie Bildung für alle!


Dies ist die bundesweite Seite der Internetplattform von Uebergebuehr. Uebergebuehr beleuchtet Bildungspolitik kritisch und arbeitet außerparlamentarisch auf ein freies, demokratisches und emanzipatorisches Bildungswesen hin.

Spargel und Menschen haben ein gemeinsames Schicksal: Sobald einer den Kopf hochreckt, wird er abgestochen.

(Eugen Gerstenmaier)