Vom 20.05. - 22.05.2005 hat in Bergen/Norwegen das 2. European Education Forum (EEF) stattgefunden. Anlass war die Europäischen Bildungsministerkonferenz, welche vom 19.05. - 20.05. ebenfalls in Bergen tagte und bei der die direkt am Bildungsprozess Beteiligten (StudentInnen, SchülerInnen, LehrerInnen etc...) ausgeschlossen waren. Das europäische Bildungsforum versteht sich als alternative Bewegung zum Treffen der Europäischen Bildungsminister und dient als Plattform zur Diskussion von bildungspolitischen Fragen, zur Entwicklung von Alternativen und zur Vorbereitung von gemeinsamen Aktionen. Das Ziel des EEF ist es dabei, ein Netzwerk von Lehrenden, Studierenden, SchülerInnen, Angestellten im Bildungsbereich, Eltern und verschiedenen Gruppen auf der Basis eines gemeinsamen Aufrufs aufzubauen.
In Bergen fanden sich ca. 400 Interessierte zusammen, die nach einem gemeinsamen Auftaktplenum das Ende der Kultusministerkonferenz als Anlass genommen haben, um ihre Kritik gegenüber der europäischen Bildungspolitik in Form einer Demonstration und kleineren Aktionen zum Ausdruck zu bringen. Die Kritik der Demonstranten richtete sich u.a. gegen die Privatisierungstendenzen und die verstärkte Ökonomisierung im Bildungsbereich und gegen die nicht nur in Deutschland indirekte Einführung von Studienkontenmodellen oder allgemeinen Studiengebühren, sowie gegen massive Änderungen betreffend der Bewerbung für ein Hochschulstudium. Zudem wird durch die Struktur und Praxis der am Bologna-Prozess beteiligten Regierungen und Organisationen und die damit verbundene Zentralisierung und Bürokratisierung die Partizipation der direkt am Bildungsprozess Beteiligten verhindert. Die Forderungen der Aktivisten sind u. a., dass Bildung als Menschenrecht und kulturelles Gut anerkannt wird. Dieser Aspekt, sowie das kostenlose, für jeden Menschen frei zugängliche Studium müssen fest in der zukünftigen europäischen Verfassung verankert sein.
Neben dem großen Interesse der norwegischen Presse an den Anforderungen, die die Demonstrierenden an die europäische Verfassung stellten, gab es auch in Deutschland eine Presseresonanz. So wurde unter anderem am Freitag den 20.05.05 in einem Bericht der Tagesthemen über die Bildungsministerkonferenz auch die Anliegen der Demonstrierenden thematisiert. Im Anschluss an die Demonstration begann eine zweitägige Workshopphase, während der Themen wie "Education during capitalism - a source for self-fulfilment or alienation?", "Bologna Plenary: What kind of education for what kind of society?" und "How does the General Agreement on Trade in Servieces (GATS) affect education?" bearbeitet wurden. Von den TeilnehmerInnen des EEF kam zum Abschluss der Wunsch nach einer gemeinsamen Resolution, um die erarbeiteten Ergebnisse und Kritiken am Bologna Prozess zu bündeln (http://www.nixbildungsabbau.de).
Diese Resolution wird gemäß der Richtlinien des EEF nicht vom EEF selbst beschlossen oder verabschiedet. Alle Erklärungen und Beschlüsse werden ausschließlich im Namen der zustimmenden Gruppen und Einzelpersonen unterzeichnet. Die Resolution selbst bezieht sich auf den Bologna Prozess und lehnt die Privatisierungstendenzen und die verstärkte Ökonomisierung im Bildungsbereich radikal ab. Außerdem werden das dreistufige Studiensystem (Bachelor/Master/Promotion) und das Verständnis der Europäischen Bildungsminister vom lifelong learning Prozess kritisiert. Partizipation, da waren sich alle einig, ist eine notwendige Voraussetzung zur Entwicklung einer kritischen Bildung und damit als Grundlage für eine freie und selbstbestimmte Welt.
Hendrik Schröder, Bremen
Dies ist die bundesweite Seite der Internetplattform von Uebergebuehr. Uebergebuehr beleuchtet Bildungspolitik kritisch und arbeitet außerparlamentarisch auf ein freies, demokratisches und emanzipatorisches Bildungswesen hin.

(Gaius Cornelius Tacitus (um 55 - nach 115), römischer Historiker und Politiker)